Ungeklärter Unfallablauf zwischen Rad- und PKW-Fahrer: volle Haftung des PKW-Fahrers

Zu vollem Schadensersatz hat das Landgericht Saarbrücken (Urteil vom 23.06.2011, AZ: 4 O 1/10) einen PKW-Fahrer verurteilt, der in einem Verkehrskreisel in Homburg mit einer Radfahrerin zusammengestoßen war, die dabei schwer verletzt worden war.

Der Autofahrer wehrte sich gegen ihre Klage mit der Behauptung, sie sei unter Missachtung seines Vorrangs unmittelbar vor ihm vom Radweg in den Kreisel eingefahren, wohingegen die Radfahrerin vortrug, sie habe sich schon lange vor dem Autofahrer im Kreisel befunden und dieser habe sie beim Ausfahren geschnitten und zu Fall gebracht.

Auch nach Vernehmung zahlreicher Zeugen und Sachverständigen konnte der Unfallablauf nicht aufgeklärt werden, so dass keinem der beiden Beteiligten ein Verschulden nachzuweisen war.

Trotzdem muss der Autofahrer für den gesamten Schaden aufkommen, denn der Führer eines motorisierten Fahrzeuges haftet aus der von seinem Fahrzeug ausgehenden Gefährdung grundsätzlich auch dann, wenn ihm kein Verschulden nachzuweisen ist. Anderes kann allenfalls dann gelten, wenn den geschädigten Fußgänger oder Radfahrer ein so schweres Verschulden trifft, dass die Gefährdungshaftung des Kraftfahrzeuges hinter dem groben Verschulden zurückzutreten hat, was hier jedoch nicht der Fall war.

Der PKW- Fahrer wurde deshalb zur Zahlung sämtlicher der Radfahrerin entstandener und aufgrund der Verletzung in Zukunft eventuell noch entstehenden Schäden verurteilt.

Sachbearbeiter: RA JR Gebhardt